(Elektro)Dienstwagen + Zweites Corona-Steuerhilfegesetz

Durch das zweite Corona-Steuerhilfegesetz wurde die Regelung in §6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 3 EStG für rein elektrische PKW`s geändert. Begünstigt sind künftig Elektrofahrzeuge bis zu einer Grenze von 60.000 EUR (vorher 40.000 EUR). Dies gilt für die 1%-Versteuerung, als auch für die Fahrtenbuchmethode. Gem. §52 Abs. 12 ist dies in der Form „bereits ab dem 1. Januar 2020 anzuwenden“, dann aber auch auf solche Fahrzeuge, die nach 2018 angeschafft wurden. Was heißt das konkret?

Beispiel 1:

Rein elektrischer PKW, in 2019 erworben, Bruttolistenpreis 40.000 EUR.

-> Hier ändert sich nichts. Es bleibt bei der Versteuerung mit 1 Prozent von 1/4 des BLP.

Beispiel 2:

Rein elektrischer PKW, in 2019 erworben, Bruttolistenpreis 70.000 EUR.

-> Auch hier ändert sich nichts. Es bleibt bei der Versteuerung mit 1 Prozent von 1/2 des BLP.

Beispiel 3:

Rein elektrischer PKW, in 2019 erworben, Bruttolistenpreis 60.000 EUR. Der PKW wurde in 2019 und auch in den ersten Monaten 2020 mit 1 Prozent von 1/2 BLP versteuert.

-> Für 2019 ist keine Änderung vorzunehmen. Für die ersten Monate 2020 und auch für die restliche Zeit der Nutzung ist eine Versteuerung nur noch mit 1 Prozent von 1/4 Bruttolistenpreis vorzunehmen. D.h. für die ersten Monate muss der Arbeitgeber Korrektur-Abrechnungen vornehmen.

Achtung 

Die lohnsteuerlichen Reduzierungen (1/4 bzw. 1/2) gelten nicht für die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage. Hier ist weiter der volle Bruttolistenpreis zu versteuern.

Taxmap

Die diesbezüglich von mir erstellt Taxmap (Mindmap) wurde bereits angepasst und erhält einen entsprechenden Hinweis. Einfach mal anklicken und dann unten links über den Schieberegler hineinscrollen.

Umsatzsteuerabsenkung

Durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz kommt es bekanntermaßen auch zu einer Absenkung des Umsatzsteuersatzes, von 19% auf 16% und von 7% auf 5%. Auch das hat Auswirkungen auf die Bruttolistenpreisversteuerung. Vgl. hierzu Johannes Urban, Die Versteuerung von Firmen- und Dienstwagen, Ausgabe 2009, Seite 176: Der zeitliche Bezug zur Erstzulassung gilt auch für die Umsatzsteuer. Dies bedeutet, dass bei Änderung des Umsatzsteuersatzes zwischen Kauf (Ende 2006) und Erstzulassung (Anfang 2007) derjenige des Zeitpunkts der Erstzulassung maßgebend ist.“ 

Wird der PKW in der Zeit vom Juli 2020 bis Dezember 2020 zugelassen (auch wenn er bereits vorher zum höheren Steuersatz erworben worden ist), so gilt für die 1-Prozent-Versteuerung der Bruttolistenpreis auf Basis der abgesenkten Umsatzsteuer – und zwar solange der PKW entsprechend genutzt wird. 

Wurde der PKW dagegen bereits im Juni 2020 oder wird er erst ab Januar 2021 zugelassen, dann gilt für Die 1 Prozent Versteuerung wiederum der Bruttolistenpreis auf Basis der höheren Umsatzsteuer. D.h. auch ein im Dezember noch mit 16% erworbener PKW ist mit dem höheren Bruttolistenpreis zu versteuern, wenn sich die Zulassung bis nach 2021 hin zieht. 

D.h. die Daten des Leasinggebers bzw. des Verkäufers bzgl. des steuerrelevanten Bruttolistenpreis, können nicht (mehr) so einfach ins Lohnabrechnungssystem übernommen werden. Man muss nachschauen, wann der PKW zugelassen wurde und wie der Bruttolistenpreis zu diesem Zeitpunkt gewesen wäre. 

Update 03.07.2020 – Elektrofahrräder

Die Finanzbehörde Hamburg hat sich in einer Fachinfo vom 03.04.2020 zur steuerlichen Behandlung von E-Bikes geäußert. Meines Wissens ist das die einzige Fundstelle, aus welcher hervorgeht, dass die Finanzverwaltung die Regelungen zu 1/4 bzw. 1/2 vom Bruttolistenpreis auch auf E-Bikes (aus Entgeltumwandlung – für die zusätzlichen gilt ja §3 Nr. 37 EStG) anwendet.

Rückblick: Lohnsteuer-Literatur im Juni 2020

Ich dachte ja, im Juni wären schon alle in den Sommerferien und es würde in der Fachpresse eh nicht mehr viel geschrieben, aber ich wurde eines Besseren belehrt (s.u.). Die Leser dieses Blogs waren vermutlich genauso beschäftigt, wie die Autoren der nachfolgenden Beiträge – wer also keine Zeit hatte, die Fachzeitschriften durchzuarbeiten, der kann sich nachfolgend einen schnellen Überblick verschaffen und dann selektiv tiefer einsteigen.

„Rückblick: Lohnsteuer-Literatur im Juni 2020“ weiterlesen

Steuer-Recherche mittels buzer.de am Beispiel von Inhouse-Bewirtungen

Das wird thematisch vielleicht ein etwas seltsamer Beitrag, aber ich glaube er kann trotzdem für viele Steuerleute nützlich sein. Ich verknüpfe hier eine konkrete Rechtsfrage mit der Vorstellung eines Online-Tools, welches mir bei der Beantwortung der Rechtsfrage geholfen hat. Machen wir hier also ausnahmsweise mal eine Art „Sendung mit der Maus“ für Steuerrechtler.

„Steuer-Recherche mittels buzer.de am Beispiel von Inhouse-Bewirtungen“ weiterlesen

Rückblick: Lohnsteuer-Literatur im Mai 2020

Nachfolgend wieder der übliche Rückblick darüber, was in der lohnsteuerlichen Fachliteratur im vergangenen Monat an interessanten Beiträgen erschienen ist. Also, ohne lange Vorrede … „hoch damit und raus mit ihnen“ …

„Rückblick: Lohnsteuer-Literatur im Mai 2020“ weiterlesen

Mindmap / taxmap: Veranstaltungen und ihre Versteuerung

Ich denke das Thema Veranstaltungen treibt uns alle um, da es an Komplexität kaum zu überbieten ist. Teambuildings, Fachveranstaltungen, Incentiveveranstaltungen, Betriebsfeste, Jubilarfeiern, Kundenevents. Bei all diesen Varianten stellen sich

a) lohnsteuerliche Fragen / Fragen zum §37b EStG

b) umsatzsteuerliche Fragen (VoSt-Abzug)

c) ertragsteuerliche Fragen (Betr.Ausg.-Abzug)

Allein für die Frage, ob eine betriebliche Veranstaltung vorliegt oder ob es sich stattdessen um eine geschäftliche Veranstaltung handelt, braucht es eine extra OFD-Verfügung.

„Mindmap / taxmap: Veranstaltungen und ihre Versteuerung“ weiterlesen

Steueroptimierung bei Abfindungen – Teil 6 – Steuern sparen mit Immobilien

Der nachfolgende Beitrage zu dieser Blogreihe soll sich damit beschäftigen, wie man mit Hilfe von Immobilien Steuern auf eine Abfindung sparen kann.

Nochmal einmal zum Hintergrund: Die Abfindung kommt zum regulären Einkommen hinzu und (auch unter Anwendung der Fünftelregelung) durch die Progression steigt der Steuersatz auf das Einkommen (insbes. auf die Abfindung). Das Ziel muss es also sein, das reguläre (restliche) zu versteuernde Einkommen so niedrig wie möglich zu gestalten, um das Maximale aus der Fünftelungsregelung herauszuholen.

Die nachfolgend beschriebenen Maßnahmen wirken sich i.d.R. steuerlich am besten aus, wenn man sie mit weiteren (in der Blogreihe beschriebenen) Maßnahmen kombiniert.

„Steueroptimierung bei Abfindungen – Teil 6 – Steuern sparen mit Immobilien“ weiterlesen

Steueroptimierung bei Abfindungen – Teil 5 – Zuflusssteuerung

In Teil 3 dieser Blogreihe hatte ich bereits eine Reihe von Optimierungsmöglichkeiten aufgeführt. Diese Liste soll nachfolgend um weitere Steuersparmodelle ergänzt werden, mit denen es möglich ist die Steuerabzüge bei einer Abfindung teilweise spektakulär zu reduzieren.

Eine Aufstellung über alle Blogbeiträge aus dieser Reihe findet sich am Ende des Beitrags.

„Steueroptimierung bei Abfindungen – Teil 5 – Zuflusssteuerung“ weiterlesen

Zwei neue Taxmaps – Melderecht – Beitragsrecht

Zu den Themen Melderecht und Beitragsrecht in der Sozialversicherung veröffentlichen die Spitzenverbände in regelmäßigen Abständen ihre Besprechungsergebnisse. Die Schreiben sind teilweise aber nur sehr unvollständig veröffentlicht und schwer zu finden.

Ich habe daher die Schreiben zusammengesucht und diese rückwirkend bis in die 1990er Jahre hinein in zwei Mindmaps eingearbeitet, welche hinter den nachfolgenden Links zu finden sind.

Die Mindmaps enthalten jeweils im orangen Feld eine PDF mit dem jeweiligen Schreiben. Um es zu öffenen ist die Verlinkungung (das Klammersymbol) anzuklicken. Danach startet ein Download des Schreibens. Aufgrund der Menge an hinterlegten PDF-Dateien ist die Ladedauer der Map leider sehr hoch.

Die Tagesordnungspunkte aus den Besprechungen sind in den blauen Feldern darunter jeweils aufgeführt – insoweit ist auch eine Schlagwort-Suche über das „Suchen“-Feld unten links möglich.

Ich hätte die Tagesordnungspunkte gerne im Volltext hinterlegt – auch weil dann die Suche bessere Ergebnisse enthalten hätte, leider habe ich dafür momentan keine Zeit.

Ein paar Spitzenverbandsschreiben zum Beitragsrecht, die man z.B. kennen sollte sind z.B.:

Niederschrift vom 20/12.11.2013. Der dortige „Top 7“ behandelt die beitragsrechtliche Behandlung zusätzlich zum Arbeitsentgelt gewährter steuerfreier oder pauschalbesteuerter Entgeltbestandteile. Das ist also die Richtschnur für alle Nettolohnoptimierungen.

Im „Top 8“ derselben Niederschrift wird die beitragsrechtliche Behandlung von Fort und Weiterbildungsleistungen behandelt.

Top 6 der Niederschrift aus dem November 2010 zum Beitragsrecht behandelt ebenfalls ein insoweit spannedes Thema: Die Umwandlung von Arbeitsentgelt zugunsten des Firmen-PKW.

Man sieht also – es lohnt sich immer mal wieder dort einen Blick hinein zu werfen.

Rückblick: Lohnsteuer-Literatur im April 2020

Die Zeit im Corona-Homeoffice geht (hoffentlich) bald zu Ende. Alle, die nach ihrer Rückkehr nicht nur den Plot vom Tiger King diskutieren, sondern den Kollegen auch etwas Fachlicheres bieten möchten, die können sich nachfolgend wieder auf Kurs bringen.

„Rückblick: Lohnsteuer-Literatur im April 2020“ weiterlesen

Taxmap: Benefits und Nettolohnoptimierung

Bei dem ganzen Thema Benefits und Nettolohnoptimierung ist es schwer den Überblick zu behalten. Mir geht es jedenfalls so. Das ist auch nicht verwunderlich, denn ständig kommen neue Befreiungstatbestände dazu – zuletzt die Corona-Beihilfen/Unterstützungen i.H.v. 1.500 EUR, die mit viel Phantasie in den §3 Nr. 11 EStG hineingepresst wurden. Bei all der Unübersichtlichkeit frag ich mich regelmäßig…

  • Wie war dort jetzt der Grenzwert?
  • War das jetzt mit Zusätzlichkeitserfordernis oder ohne?
  • Welcher Paragraph war das gleich?
  • Wie verhält es sich in der Sozialversicherung?
  • Wie war das bei diesem Benefit jetzt mit der Umsatzsteuer?
  • War sonst noch etwas zu beachten?

Daher wollte ich das ganze Thema schon länger einmal in einer Mindmap/taxmap verarbeiten, hatte aber bisher keine optisch ansprechende Art gefunden. Mit etwas „Gefrickel“ macht der MindManager aber auch Tabellen und so wurde es doch noch ganz ansprechend.

„Taxmap: Benefits und Nettolohnoptimierung“ weiterlesen