Steuern sparen bei Abfindung – Teil 12 – Gehaltsabrechnung, Steuererklärung und Steuerbescheid

Will man bei Erhalt einer Abfindung Steuern sparen und daher die Anwendung der Fünftelungsregelung sicherstellen, dann muss auf drei einfache Punkte achten:

  • die Abfindung in der Lohnabrechnung/Gehaltsabrechnung
  • die Abfindung im Steuererklärungsformular
  • die Abfindung im Steuerbescheid

Details dazu finden sich im nachfolgenden Beitrag. Der elektronische Datenabruf vereinfacht die Sache ganz erheblich.

Fünftelungsregelung für Abfindungen im Rahmen des Lohnsteuerabzugs

D.h. in 95% der Fälle gibt es gar keine Diskussion über die Anwendung der Fünftelungsregelung. Die drei Tatbestandsmerkmale sind in der Regel erkennbar erfüllt

  • Es handelt sich um eine Entschädigung +
  • Die Entschädigung wird i.d.R. nicht in Raten ausgezahlt +
  • Außerordentlichkeit bzgl. der Höhe der Entschädigung liegt vor, weil
    • entweder die Abfindung einen Vorjahreslohn übersteigt oder
    • direkt eine neue Beschäftigung aufgenommen wird und der neue Lohn zusammen mit der Abfindung einen Vorjahreslohn übersteigt.

Das ist etwas vereinfacht dargestellt, trifft aber die meisten Fälle. Details dazu und kritische Grenzfälle kann man nachlesen im BMF-Schreiben vom 04.03.2016, welches ich in meiner Abfindungs-Mindmap hinterlegt habe.

Der Arbeitgeber wird die Fünftelungsregelung also automatisch beim Lohnsteuerabzug anwenden. Erkennbar ist dies daran, dass die Abfindung in in der Folge in Zeile 10 der Lohnsteuerbescheinigung auftaucht und nicht in Zeile 3 beim Bruttoarbeitslohn (vgl. nachfolgenden Screenshot).

Hier sollte man also nach Austritt einmal einen kritischen Blick drauf werfen. Wenn der Arbeitgeber nicht gefünftelt hat, ruft man beim Entgeltabrechner an und lässt sich erklären, warum er nicht gefünftelt hat. Die Fünftelungsregelung “IST” anzuwenden (wenn die Voraussetzungen vorliegen) – der Arbeitgeber hat hier kein Ermessen. Bleibt der Arbeitgeber hier stur, dann kann man darüber nachdenken, ob ein Steuerberater oder ein Arbeitsrechtler helfen kann.

Fünftelregelung für Abfindungen im Rahmen der Steuererklärung

Das Finanzamt hat heutzutage einen Großteil der Daten elektronisch vorliegen:

  • Daten des Arbeitgebers,
  • Daten über Lohnersatzleistungen (ALG I),
  • Daten der Rentenversicherung,
  • Daten der Krankenkasse etc.).

Bei der Erstellung der Steuererklärung können diese Daten elektronisch vom Finanzamts-Server abgerufen und automatisch in die richtigen Formularfelder der Steuererklärung eingetragen werden. Diesen Datenabruf nutzt der Steuerberater. Dieser Datenabruf steht einem aber auch zur Verfügung, wenn man seine Steuererklärung selber erstellt. Man kann dann diese Daten ebenfalls mittels Software (z.B. Wiso-Software, Elster-Software) abrufen. Niemand braucht heute mehr Formulare per Hand ausfüllen. Der zusätzliche Vorteil besteht darin, dass die Daten automatisch in den richtigen Feldern des Erklärungsformulares eingetragen werden, d.h. es entfällt die Frage “wohin damit?”.

Zurück zum Thema: Wenn der Arbeitgeber/Entgeltabrechner seinen Job richt gemacht hat (s.o.), d.h. wenn die Abfindung im richtigen Feld der Lohnsteuerbescheinigung hinterlegt hat, dann landet die Abfindung per Datenabruf auch im richtigen Feld in der (elektronischen) Steuererklärung. Dies ist z.B. in der 2020er Steuererklärung die Zeile 17 gewesen. Mit dem Eintrag bei den dort genannten “ermäßigt besteuerten Entschädigungen” beantragt man letztlich die Anwendung der Fünftelungsregelung (§34 EStG) im Rahmen der Steuererklärung.

Auch hier darf die Abfindung nicht nochmal zusätzlich in Zeile 6 beim Bruttoarbeitslohn stehen, da sie sonst doppelt versteuert würde.

Abfindung Steuern sparen

Die Steuererklärungsprogramme prognostizieren heute alle auch die Steuerberechnung. D.h. sie erstellen den Entwurf eines Steuerbescheides, den man später mit dem echten Steuerbescheid abgleichen kann. So fällt auf, ob das Finanzamt in dem einen oder anderen Punkt abgewichen ist. Ich empfehle das allen, da in den Erläuterungen zum Steuerbescheid die Streichungen oftmals nur knapp oder unverständlich dargelegt werden. Eigentlich müsste bei Abweichungen vorher erörtert werden, in der Praxis hat der Finanzbeamte dafür aber oftmals keine Zeit.

Fünftelungsregelung für Abfindungen im Rahmen des Steuerbescheides

Hat man die Steuererklärung richtig ausgefüllt hat, eigentlich nichts schiefgehen. Es kann aber natürlich trotzdem passieren, dass der Finanzbeamte die Fünftelungsregelung einfach rausstreicht. Das sollte nicht passieren – falls es doch passiert, sollte man umgehend Einspruch einlegen.

Woran erkenne ich nun, ob die Abfindung im Steuerbescheid gefünftelt wurde? Das ist leider in der Tat nicht trivial. Steuerbescheide sehen in jedem Bundesland etwas anders aus. Ich hab nachfolgend als Beispiel einmal NRW genommen – andere Bundesländer werden aber ähnlich aufgebaut sein.

Was gilt es hier zu tun?

  • Zunächst sollte man einmal überprüfen, dass die Abfindung bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit drin ist, aber nicht doppelt erfasst wurde.
  • Als Zweites sollte man überprüfen, ob sich aus dem Steuerbescheid ein Hinweis auf die Fünftelungsregelung (§34 EStG) ergibt.
  • Sicherheitshalber sollte man die festgesetzte Einkommensteuer mit dem Ergebnis der Simulation aus dem Steuererklärungsprogramm (Wiso, Elster, etc.) und / oder einem Steuerrechner aus dem Internet abgleichen.

Abfindung Steuern sparen

Fazit zum Steuern sparen bei Abfindung

That’s it! Klar, für die anderen Anlagen werden sich u.U. weitere Fragen ergeben. Jeder muss daher selber entscheiden, ob er für die Erstellung der Steuererklärung einen Steuerberater benötigt. Im Zweifel einfach mal mit einer der Softwarelösungen testen, wie weit man kommt.

Die Erstellung der Steuererklärung ist übrigens losgelöst von der steuerlichen Abfindungsberatung. Hier gilt das Hausarztprinzip – d.h. ihr Steuererklärungs-Steuerberater ist sicherlich gut, in dem was er tut. Er kann aber nicht auf alle eventuellen Fragestellungen spezialisiert sein. Dafür gibt es Spezialisten. Aus dem gleichen Grund mache ich umgekehrt keine Steuererklärungen, sondern verweise dann auf einen qualifizierten Berufskollegen.

Übersicht aller Beiträge aus der Reihe „Steuern sparen bei Abfindung“