Steuern und Abgaben auf Mobilität: Ein Vergleich Diesel gegen Elektroauto

Meine aktuelle Droschke (mit vier Ringen im Logo) feiert demnächst zehnjähriges Jubiläum. Das bedeutet: Sie fährt zwar noch, wird aber – gefühlt – nur noch von Kaugummi und Gebeten zusammenhalten. Eine neues Vehikel sollte her: am besten gleich zukunftssicher, also eine von diesen neuen Elektro-Droschken. Also recherchiere ich und stelle schnell fest, dass es steuerlich noch immer günstiger ist, den Leuten in der Stadt mit dem Diesel die Luft zum Atmen zu nehmen, als dort mit dem Elektroauto für Ruhe zu sorgen. Wie kann das sein, wo wir gefühlt seit zehn Jahren hören, dass demnächst eine Million Elektroautos auf unseren Straßen unterwegs sein sollen?

Die Zusammensetzung des Benzinpreises und die des Strompreises sind im Internet leicht zu finden. Also, wie viel Steuern und Abgaben stecken in hundert Kilometern Fahrtstrecke, jeweils differenziert nach den unterschiedlichen Beförderungsmitteln? Machen wir die Rechnung…

Benziner

Mein aktueller Wagen kostet ca. 1,47 Euro pro Liter an der Tankstelle. Für die zehn Kilometer brauche ich etwa sieben Liter. Macht Gesamtkosten von 10,31 Euro. Im Benzinpreis von 1,47 Euro stecken 64,45 Cent Mineralölsteuer und 23,52 Cent Umsatzsteuer. Bezogen auf die 10,31 Euro sind das also 6,15 Euro an Steuern, die der Staat von mir bekommt, wenn ich hundert Kilometer mit dem Benziner unterwegs war.

Diesel

Diesel kostet derzeit rund 1,30 Euro an der Zapfsäule. Für die jundert Kilometer braucht man etwa sechs Liter. Macht also Gesamtkosten von ca. 7,85 Euro. Im Dieselpreis sind 47,07 Cent Mineralölsteuer und 20,90 Cent Umsatzsteuer. Bezogen auf die Gesamtkosten, ist das also in Summe 4,08 Euro Steuern, die sich der Staat für die hundert Kilometer mit dem Diesel in die Tasche steckt.

Erdgas-PKW

Kostet ca. 1,10 Euro je Kilogramm. Für hundert Kilometer benötigt das Erdgasauto rund 3,5 Kilogramm. Macht also Gesamtkosten von ca. 3,85 Euro. Im Erdgaspreis sind 0,19 Cent Energiesteuern und 0,18 Cent Umsatzsteuer nethalten. Bezogen auf die 3,50 Euro Gesamtkosten sind das also 1,28 Euro Steuern, die hier an den Finanzminister gehen.

Elektro-Auto

Strom kostet bekanntermaßen ca. 0,29 Euro je KW/h. Auf hundert Kilometer verbraucht der Stromer ca. 19,4 KWH. Das macht also Gesamtkosten von ca. 5,63 Euro. Im Strompreis sind Netzgebühren enthalten, 24 Prozent, §19-NEV-Umlage = 1 Prozent,  Offshore-Haftungsumlage = 1 Prozent, Konzessionsabgabe = 6 Prozent, KWKG = 1 Prozent, Stromsteuer = 7 Prozent, EEG-Umlage = 22 Prozent und schließlich stecken dort natürlich auch noch 16 Prozent (wir rechnen ja von hundert Prozent rückwärts) Umsatzsteuer drin. Das heißt, in den Gesamtkosten sind 4,33 Euro Steuern und Abgaben enthalten, wenn man mit dem Benziner hundert Kilometer unterwegs ist. Es gibt eine Einschränkung: Wer zuhause den Strom vom eigenen Dach tankt, bei dem sieht die Kalkulation natürlich anders aus.

Deutsche Bahn

Nehmen wir zur Sicherheit noch das Verkehrsmittel auf, das eigentlich ökologisch nicht zu toppen sein sollte und daher hoffentlich mit den geringsten Abgaben belegt ist. Ein Ticket für die Strecke Bonn-Düsseldorf (eta hundert Kilometer) kostet dort aktuell 25,50 Euro. Im Ticketpreis steckt nur die Umsatzsteuer. Diese beträgt, da wir ja weiter als fünfzig Kilometer unterwegs waren, den regulären Steuersatz von 19 Prozent. Bezogen auf die Gesamtkosten sind das happige 4,07 Euro an Steuern.

Bereiten wir die Gesamtrechnung doch einfach mal graphisch auf:

Kommen wir zum Fazit

Vor dem Hintergrund von Art. 3 Grundgesetz räumt das Bundesverfassungsgericht der Politik einen weiten Spielraum bei der Ausgestaltung des Steuersystems ein. Das tut es, weil es anerkennt, dass die Politik über Steuern lenken und gestalten darf und soll.

Wie heißt es im Jahressteuergesetz 2019:

Eine zeitgemäße Mobilität muss sich am Ziel orientieren, die Umweltbelastung nachhaltig zu reduzieren, sowie den enormen Herausforderungen der Energiewende gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund ist die Bundesregierung unter anderem bestrebt, eine nachhaltige, bezahlbare und klimafreundliche Mobilität zu fördern.

Die Gestaltung der Politik fördert aber augenscheinlich eher den Diesel und blockiert das Elektroauto. Tatsachen und Sonntagsreden laufen hier also diametral auseinander.

Ich für meinen Fall verstehe jetzt aber deutlich besser, warum uns Gas immer als Brückentechnologie verkauft wird und werde mir – so der Plan – so ein Gas-Auto einmal näher anschauen, auch wenn die dort günstigen Abgaben zeitlich begrenzt sind.